„Die Erbin der Welt“ von N.K. Jemisin

2017 ist die Reihe von N.K. Jemisin bei mir eingezogen und erst vor zwei Tagen habe ich den ersten Band „Die Erbin der Welt“ begonnen. Die Reihe gehört definitiv zu den Büchern, die am längsten auf mich warten durften. Und was soll ich sagen? Ich hätte sie eher beginnen sollen. Der erste Band hat meinen Geschmack wunderbar getroffen. Auch wenn das Cover nicht so mein Fall ist. Köpfe sind ja lange Zeit typisch für Fantasy gewesen, aber warum den eine Weiße mit langen bloden Haaren, wenn die Prota als Schwarz mit kurzen braunen Haaren beschrieben wird?

Klappentext
Geheimnisse und Intrigen im Palast über den Wolken – wo Menschen und Götter um Macht und Einfluss ringen
Natürlich befolgt Yeine Darr den Befehl ihres Großvaters, sich unverzüglich aus der Provinz zu seinem Palast zu begeben. Schließlich ist er der Herrscher über die ganze Welt. Doch als er sie zu seiner dritten Erbin ernennt, befindet sie sich unvermutet inmitten tödlicher Palastintrigen. Ihre einzige Hoffnung auf Überleben ist ein Bündnis mit Nahadoth – dem zwar versklavten, aber immer noch ebenso mörderischen wie verführerischen Gott der Finsternis.


| N.K. Jemisin | Inheritance-Trilogie 1 – Die Erbin der Welt | 400 Seiten | Blanvalet |

Wie Yeine, die sich an einem unbekannten Ort mit ganz eigenen Regeln zurechtfinden muss, muss sich der Leser*in in der Welt zurechtfinden. Der Erzählstil gefiel mir. Yeine, die Yeine vom Ende des Buches, wendet sich direkt an den Leser*in und erzählt ihm*ihr ihre Geschichte. Aber sie geht von jemanden aus, der ihre Welt kennt – die Orte, die Völker, die religiösen Lehren mit denen alle aufwachsen und wie die politische Gestaltung aussieht. Und so wird am Anfang nicht viel Zeit darauf verwendet, alles im Detail zu klären. Hinten im Buch ist ein Glossar, allerdings habe ich es nicht nutzen müssen. Mir reichten die Infos, die Yeine mir gab. Insbesondere da der Schwerpunkt trotz der politischen Intrigen seinen Schwerpunkt auf der Aufdeckung ihrer Familiengeschichte, dem Konflikt der Götter und den verschiedenen Machtgefällen liegt. Und das hat sich in meinen Augen ausreichend vor einem entwickelt und offenbart.

Yeine empfand ich als sehr stark. Nicht weil sie irgendwelche besonderen magischen Fähigkeiten hatte, sondern weil sie im Gegensatz zur Herrscherfamilie Werte vertritt, die mir gefielen. Sie hinterfragt sich und ihr Handeln. Verdrängt nicht ihre Fehler und versucht in einer Welt zu überleben, in der sie weder willkommen ist noch in der sie überleben soll. Selbst die Götter nähern sich ihr nicht ohne Hintergedanken, aber diese Ehrlichkeit hat mich Si´eh und Nahadoth sehr schnell liebgewinnen lassen. Auch die Götter werden nicht perfekt gezeichnet. Sie sind unberechenbar – wortwörtlich. Doch je näher ich sie kennenlernen durfte, desto mehr habe ich zwei von ihnen trotz ihrer Fehler und Grausamkeiten in mein Herz geschlossen.

Wer übrigens nicht auf vorhersehbare kitschige Liebesgeschichten steht, braucht sich hier keine Sorgen machen. Das bekommt ihr hier definitiv nicht. Das Thema Liebe ist hier schon sehr komplex. Wir reden hier von Göttern, die schon vor der Welt entstanden sind. Auch der Schreibstil ist dadurch manchmal komplex, aber mir gefiel das. Der menschliche Geist kann das Göttliche nicht in Gänze verstehen und auch damit wird immer wieder gespielt.

Was mir auch sehr gefiel, war die Diversität in dem Buch. Auch wenn die Völker nicht im Mittelpunkt stehen, wird doch deutlich in welchen unterschiedlichen Kulturen Yeine aufwuchs und in welcher sie nun leben soll. Vorurteile, Rassismus, Sklaverei, Sadismus – als das wird immer wieder aufgegriffen und lädt den Leser ein, sich mit den Themen zu beschäftigen. Nichts für Zartbesaitete, die sich nicht den Abgründen des Menschlichen stellen können.