Die Ständegesellschaft im Anciem Régime

Im Rahmen einer Blogtour zum zweiten Band der Marchese-Reihe „Der Schwur der Schlange“ stellte ich 2017 die Ständegesellschaft zur Zeit des Romans vor.

Marchese, Gräfin, Fürst – Adelstitel gibt es viele. Doch wer steht über wem und wie sieht es überhaupt mit der Gesellschaftsstruktur zur Zeit des Romans aus?

Das Ancien Régime bezeichnet die politisch-gesellschaftliche Zeit vor der Französischen Revolution, welche 1789 begann. Der erste Marchese Roman „Das Gift der Schlange“ spielt 1785, der zweite Band „Der Schwur der Schlange“ im Jahre 1788. Ihr seht also, wir befinden uns in politisch und gesellschaftlich unruhigen Zeiten.

ziegelbrenner, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

In Frankreich herrschte ein absolutistischer König. Die bekanntesten sind sicherlich Ludwig XIV., der Sonnenkönig und der zur Zeit des Romans herrschende Ludwig XVI. Im Heiligen Römischen Reich gab es zwar auch einen Kaiser, aber das Reich selbst war in viele souveräne Territorien geteilt, die von Fürsten, Herzögen oder Bischöfen regiert wurden. Der Kaiser wurde gewählt und als „ideelles“ Reichsoberhaupt anerkannt. Er gab gesetzliche Rahmenbedingungen vor, die von den jeweiligen Herzögen, Fürsten, etc. umgesetzt wurden, aber trotzdem hatte der herrschende Adel genügend Spielraum für eigene Verordnungen.

So auch Sophie, die wir im ersten Band schon kennenlernten und die im zweiten Band Fürstin eines kleinen Fürstentums ist. Allerdings scheint sie dies nicht allzu ernst zu nehmen bzw. ist sehr erfreut darüber, dass jemand anderes die Entscheidungen trifft.

„Du bist die Fürstin, Sophie, er ist nur dein Gemahl.“ „Und er ist ein wunderbarer Gemahl, Charlotte. Er regiert mein Fürstentum, und ich muss mich um nichts kümmern.“ Lachend breitete sie die Arme auf der Rückenlehne des Sofas aus.

ein Gespräch zwischen Gräfin Charlotte und Fürstin Sophie aus „Der Schwur der Schlange“

Die Gesellschaft war noch von der feudalen Ständegesellschaft geprägt, wobei die oberen beiden Stände mit ca. 2% der Gesamtbevölkerung in der Unterzahl sind. Während die ersten beiden Stände ein politisches Mitspracherecht und weitere Privilegien hatten, mussten der 3. Stand Steuern zahlen und war abhängig von seinem Lehnsherren. Die Ständegesellschaft wurde zu früheren Zeiten als gottgegeben angesehen. Erst mit der französischen Revolution und dem Beginn der Abschaffung des feudalen Systems erhielten die Bürger und Bauern über die Jahre hinweg immer mehr Rechte und Freiheiten. Auch Gräfin Charlotte sieht die Stände als notwendig an:

„Jeder wurde nun einmal in seinen Stand geboren.“

Charlotte Gräfin von Rostow aus „Der Schwur der Schlange“

Kommen wir zum Adel selbst. Meine Recherchen haben ergeben, dass die Rechte und Pflichten sowie die Beschränkungen des Adels landesabhängig sind und die Adelssysteme zwar verglichen, aber nicht gleichgesetzt werden können. Deswegen habe ich für euch in der folgenden Übersicht versucht, die Hierarchie des deutschen Adels zur Neuzeit darzustellen. Allerdings gibt es da so viele Wenns und Abers, dass man darüber ganze Bücher schreiben könnte.

Hierarchie des deutschen Adels zur Neuzeit

Der Markgraf, wozu man auch den Marchese zählen kann, steht gesellschaftlich über den Fürsten. In manchen Erklärungen heißt es, dass der Markgraf dem Herzog gleichgestellt ist – zumindest im Heiligen Römischen Reich. Was ich sehr interessant finde. Allerdings erklärt es auch, warum der Marchese mit Fürstin Sophie so umgehen kann wie er im Buch mit ihr umgeht, ohne dabei ihren Titel zu beleidigen. Obwohl, Unterwürfigkeit passt auch sonst nicht zu seinem Charakter – daher glaube ich auch nicht, dass er sich ihr gegenüber anders verhalten würde, wenn sie den gleichen Rang hätten. Übrigens werden die Markgrafen mit „Königliche Hoheit“ angesprochen. Ich weiß nicht, ob es in Italien auch so ist, aber falls ihr bei Facebook mal Marchese della Motta über den Weg lauft, dann wisst ihr nun, wie ihr ihn ansprechen könntet.

Weitere Beiträge der Blogtour findet ihr auf der Autorenseite von Barbara Drucker