„Schattenerbe – Das Flüstern der Dunkelheit“ von Karolyn Ciseau

Ich muss gestehen, dass ich zweimal überlegt habe, ob ich „Schattenerbe“ lesen möchte oder nicht. Irgendwie hatte ich Angst, dass ich zuviel vorhersehen kann. Dass sich Zarah in Valen verliebt, ein bisschen hin und her und am Ende haben wir Friede, Freude, Eierkuchen. … Ich hätte mir gar keine Sorgen machen müssen. Denn was der Klappentext nicht verrät ist, dass wir hier kurz vor einem Krieg stehen und Zarah für ein Reich und einen Glauben kämpft, denn ich absolut nicht gutheiße. Und genau das hat mir gefallen. Dass ich nicht aus der Sicht eines Protas lese, der für die Rebellion kämpft, sondern eben auf der anderen Seite bin und immer (noch) die Hoffnung habe, dass es so langsam mal „Klick“ macht.

Klappentext
Sein Lächeln verhöhnt mich, seine Schatten könnten mir den Tod bringen – und doch ist er die einzige Hoffnung, mein geliebtes Königreich zu retten …
Zarah trägt die Schuld am Tod ihres Königs. Als Leibwächterin konnte sie seinen Mord nicht verhindern. Doch jetzt schwebt das roshanische Reich in Gefahr, und die einzige Hoffnung auf Frieden scheint der Zwillingsbruder des Königs zu sein.
Prinz Valen wurde einst auf eine einsame Insel verbannt, weil er die Gabe des Dunkelbringers besitzt: Seine Schatten töteten viele Menschen. Als Ebenbild des Königs könnte er den Frieden im Land sichern – oder es dem Untergang weihen. Gelingt es Zarah, den Prinzen zu einem heimlichen Königstausch zu überreden und seinen Kräften die Stirn zu bieten? Oder wird sie seiner dunklen Aura verfallen?


| Karolyn Ciseau | Schattenerbe 1 | 344 Seiten | Selfpublish |

Ich habe mich ja ein bisschen in Valens Art verliebt. Er ist leicht zynisch, sieht das Unrecht und bringt dadurch den Königstausch öfter in Gefahr. Mehr kann ich über ihn nicht verraten, da genau das, was mich ihn lieben lässt, spoilern würde. Zarah, deren blinder Glaube an das was ihr gelehrt wurde, mich auf die Palme bringt, ist, wenn man ersteres außer Acht lässt, auch ein sympathischer Charakter. Und das gefiel mir. Es zeigt, dass ein Charakter aus mehreren Seiten besteht. Seiten, die man lieben, und Seiten, die man hassen kann. Trifft übrigens auch auf Valen zu. Bei dem mag ich auch nicht alles.

Schwerpunkt der Handlung ist die Beziehung zwischen Valen und Zarah, ein auf und ab an Sympathien. Denkt Zarah sie hätte Valen durchschaut, passiert irgendwas, was sie wieder in Grübeln bringt. Dachte ich, ich wüsste, was gleich kommen würde, überraschte mich die Autorin mit einer neuen Info oder einer plötzlichen Wendung. Denn auch wenn wir Zarahs Pläne kenne, Valens kennen wir lange Zeit nicht. Und genau das macht die Geschichte spannend.

Was ich mir noch persönlich von der Geschichte gewünscht hätte, wäre ein größerer Einblick in den Weltenaufbau. Die Reiche und Völker werden nur grob umrissen. Die gesellschaftlichen Konflikte nur oberflächlich dargestellt. Auch in das Magiesystem erhielt ich nur einen groben Einblick. Was hier besonders schade ist, da doch genau Valens Schatten eine Gefahr darstellen.

Neben den Charakteren und den tollen Wendungen gefiel mir auch der Schreibstil. Ich bin ja bei Fantasyromanen nicht so der Fan von der Ich-Perspektive, aber diese hier ließ sich schön lesen. Es wird auch sehr bildhaft beschrieben, was mir bei dem orientalischen Setting gefallen hat.

Nach aktuellen Plänen soll das Finale der Dilogie Ende 2021 erscheinen. Und ich bin schon gespannt darauf, ob die Rebellion gewinnen wird und wie sich Zarah Charakter weiterentwickeln wird.