Von den Grenzen der Erde oder die Rechtsprechung des ðing

Werbung | Ich bin ja ein großer Fan von Rebekka Mand und liebe ihre „Grenzen-Saga“. 2017 erschien der finale Band und damals habe ich an einer Blogtour teilgenommen. Doch worum geht es in dieser Saga überhaupt?

Erzählt wird die Geschichte von Lynn und Eirik. Lynn wurde als Kind von den Nordmännern verschleppt, beherrscht eine zweifelhafte Gabe und will einfach nur nach Hause zurück, um ein Versprechen an ihren Vater einzulösen. Eirik, auf dem ein Fluch zu liegen scheint, sieht in Lynn seine Chance, diesen zu besiegen und endlich seinen Platz in der Welt zu finden. Zusammen begeben sie sich auf die Reise und haben allerhand von Schwierigkeiten zu meistern.

Die Geschichte spielt im Jahre 816 n. Chr. und den Folgejahren. Ich würde es dem historischen Genre zuordnen, in dem im Laufe der Geschichte durch Lynns Gabe einige mythische Elemente zu finden sind.

Im Rahmen der Blogtour habe ich ein bisschen vom ðing und der Rechtsprechung dort erzählt.

Mein Jarl! Sprecht Recht“

Das ðing ist eine Versammlung, die an einem besonderen, oftmals heiligen Ort, abgehalten wird. Je nach Größe und Anreisezeit des Stammes wurde das ðing monatlich oder jährlich abgehalten. Auch konnte es bei besonderen Anlässen spontan einberufen werden. Das ðing dauerte drei Tage und war gleichermaßen ein religiöses und soziales wie gerichtliches und politisches Ereignis. Während des ðings galt der Thingfriede mit Waffenverbot. Den Vorsitz über das ðing hatte der König selbst oder ihm tributpflichtige Herrscher, die Jarle.

Auch Eirik Karrsson treffen wir als erstes auf dem ðing – zur Zeit des Herbstmondes.

Am nächsten Tag erreichten sie die Versammlung. Der Platz, auf dem das ðing abgehalten wurde, war ein geweihter Ort. Um das Felsplateau herum hatten sich unzählige Sippschaften mit Weibern, Kindern, Mägden und Knechten eingefunden, die Waren, Vieh und Sklaven feilboten. Jeder versuchte, vor dem Winter noch Gewinn zu machen, Beziehungen zu pflegen und Hochzeiten anzubahnen, bevor der tiefe Schnee alle Geschäfte und gesellschaftlichen Ereignisse zum Erliegen brachte. (Von den Grenzen der Erde)

Beim ðing werden wichtige öffentliche Angelegenheiten besprochen, Gesetze verabschiedet und Recht gesprochen. Es verläuft nach genauen Regeln und die Teilnahme ist nur freien, waffenfähigen Männern gestattet.

Auch jetzt noch rumpelten Karren heran, die in aller Frühe zum Gerichtstag anreisten. Heute wurden die unwichtigen Fälle besprochen wie Nachbarschaftsstreits, geplante Ehen oder Scheidungen. Erst Morgen würde es richtig voll werden, wenn Mord, Totschlag und Diebstahl verhandelt wurden. Und am letzten Tag des ðing würde Jarl Ragnar verkünden, wohin die víking sie im nächsten Sommer führen würde.
(Von den Herrschern der See)

Wurde ein Mann eines Verbrechens angeklagt und vom ðing schuldig gesprochen, konnte er mit Geldstrafen, Folter, Verbannung oder im schlimmsten Fall mit dem Tode bestraft werden. 
 Bei mittleren Vergehen wurden häufig Geldbußen verhangen, die von der geschädigten Familie bestimmt wurden. Allerdings konnte der Angeklagte auch auf einen Zweikampf bestehen, um seine Unschuld zu beweisen. Wenn er siegte, war das ein Zeichen der Götter, dass er im Recht sei.

 Einer der bóndis trat vor und erklärte die Regeln. Es wurde gekämpft mit Schwert und Dolch, aber ohne Schild. Wer als Erster blutend zu Boden ging, hatte verloren und musste sich dem ðing beugen.
(Von den Grenzen der Erde)

Schwere Vergehen, wie beispielsweise Mord, wurde oftmals durch Blutrache gerächt. Das heißt der Täter wurde ermordert. Hierbei bestand die Gefahr, dass es zu einer Blutfehde zwischen den Familien ausartet.
Allerdings können Täter auch aus der Gemeinschaft verbannt werden, wenn die Tat zu schwer war, um wiedergutgemacht werden zu können. Eine Verbannung wurde normalerweise für drei Jahre verhängt. Der Verbannte verlor damit alle Rechte als freier Mann und durfte ungestraft ausgeraubt und getötet werden. Dagegen galt die Friedlosigkeit als endgültige Ächtung, und bedeutete den völligen Ausschluss aus der Gesellschaft. Er wurde zum vargr, zum Wolf, und darf von niemanden aufgenommen, mit Nahrung versorgt oder befördert werden.

Auch Eirik trifft der Fluch des vargrs.

„Aber jetzt bist du ein vargr, ein Ausgestoßener!“
„Nur, wenn ich auf dem
ðing dazu verurteilt werde! Svanas Worte sind doch nur Worte.“
(Von den Grenzen der Erde)

Und auch bei Lynns erstem Besuch auf dem ðing geschieht etwas, was ihre Zukunft stark beeinflussen wird, aber um herauszufinden, was das ist, müsst ihr die Bücher in die Hand nehmen und selber lesen. Kann ich euch übrigens wirklich nur empfehlen!

Beiträge der anderen Blogger/innen zur Blogtour (sofern die Beiträge/Blogs noch existieren:

Buchvorstellung bei diabooks
Interview mit der Autorin bei Der Büchernarr
Charaktervorstellung bei Book-Cats
Wikingerschiffbau bei Biancas Lesetagebuch
Coverinterview bei Büchersalat
Auf viking – die Reisen der Nordmänner bei Dragons Bookworld
Verflucht seist du bei Reading is like taking a journey
Der Weg in die Totenwelt bei Book-Cats